Bundestag: Virtuelle Tour eines faszinierenden "Glaskastens"

Wir waren letzte Woche auf dem Jahressymposium der European Company and Financial Law Review. Dabei durften wir höchstpersönlich das Paul-Löbe-Haus kennenlernen.

So viel Glas kenne ich eigentlich nur vom Baumarkt. Das Komplex der Regierungsgebäude in Berlin ist zusammengenommen ein klassisches Beispiel der Architektur der 1990er, als man noch von den Anwendungsmöglichkeiten neuer Baumaterialien wie Glas, Stahl und Beton unendlich begeistert war. Und obwohl diese Designentscheidungen damals unter heftiger Kritik gelitten haben, so meine ich, dass sie sich verhältnismäßig gut gehalten haben - obwohl ich auch der Meinung bin, dass das Innere besser ist als das Äußere.

Besonders schick und elegant finde ich aber die Brücken, die einen reibungslosen Übergang zwischen den unterschiedlichen Regierungskonstrukten ermöglichen. Die Spree ist auf beiden Seiten mit Beton verbaut und erweckt den Eindruck einer vom Menschen angelegten Wasserdekoration - ein kräftiger Kontrast zu der mir bekannten wilden Nordsee.

Hier schippert eine kleine Barkasse entlang.

Beton, Beton und mehr Beton - so weit das Auge reicht, so sieht man eintönige, schlichte, funktionale Wände. Auf mich wirkt die Gestaltung monolitisch und vielleicht auch nüchtern.

Verspielt und lichtdurchflutet ist dagegen das Innere. Man fühlt sich fast wie in einem Spiegelsaal und erwartet dabei vergebens, dass man das eigene Bildnis im Glas findet. Eine gigantische Lobby, die von jeder Ebene einzusehen ist, scheint auf eine angemessene Verwendung zu warten. Obwohl ich lange verweilte war ich der einzige, der die zahlreichen kostbaren Designerstühle von Thonet, Wassily und Mies van der Rohe zum Sitzen nutzte. Wegen der Abwesenheit von Gebrauchsspuren gehe ich davon aus, dass der Andrang auf die Plätze sich in Grenzen hält. Dennoch war die Komposition der Sitzplätze durchaus geschmackvoll.

Mitte rechts ist eine Sitzgruppe zu sehen. Auch hier gab es Brücken.

Ich hatte erwähnt, dass es hier viel Glas, Stahl und Beton gibt. Irgendwie sehnt man sich nach dem 19. Jahrhundert, als man zumindest die Stuckeinsätze und Tapeten variierte. 

Von der Brücke aus gab es aufregende Blicke. Man fühlt sich luftig und frei - in jede Richtung scheint es unbegrenzte Möglichkeiten zu geben. Viel Raum und Platz. Man kann sich geistig ausbreiten und sich in seinen Gedanken hier verlieren. Im Bild sind außerdem fünf unbenutzte Sitzgruppen zu sehen, Gesamtwert der Möbel ca. € 50.000,00. Mit etwas Glück wurden die Möbel im Rahmen einer Werbemaßnahme an die Bundesregierung gespendet.

Noch mehr Weitblick. Von rechts nach links sieht man nun die Zentrale der Deutschen Bahn AG, die alteingesessene schweizerische Botschaft und das ebenfalls aus Glas, Stahl und Beton bestehende und Thonet-Möbel enthaltende Bundeskanzleramt.

Zum Abschluss eine der Toiletten mit Aktenablage - hygienisch sicherlich sinnvoll.

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