Beweisrecht für Grabenkämpfer

Zwei Gruppen bekommen von mir mittlerweile Unterricht im Beweisrecht: angehende Schiffskapitäne an der Staatlichen Seefahrtschule Cuxhaven und angehende Unternehmensberater an der Universität Lüneburg. Immer wieder stellt sich für mich die Frage, wie weit die juristische Kenntnis gehen muss und wie vor Ort notwendige Beweise erkannt und gesichert werden können. Dabei haben es die Schiffskapitäne eindeutig schwerer.

In der Regel versuche ich nicht eine abschließende Fähigkeit zur Erfassung sämtlicher Tatbestandsmerkmale eines bestimmten Anspruchs zu vermitteln. Das ist weder möglich noch gewollt, denn dafür gibt es Rechtsanwälte.

Doch der Gewinn ist groß wenn man – wie man im englischen sagt –  die niedrig liegende Frucht ("the low hanging fruit") pflückt. Fundamentale Prinzipien des Zivilrechts wie (Mit-)Verschulden, Kausalität und Zurechnung können durch plastische und unterhaltsame Fallbeispiele erklärt werden. Dass man z.B. den Unfallhergang dokumentieren muss leuchtet schnell ein. Aber wie das konkret geht ist eine andere Frage.

Ein Beweis.

Ein Beweis.

Das Ziel der Kurse ist zu vermeiden, dass berechtigte Ansprüche wegen Beweisnot vereitelt werden. Der Umgang mit Urkunden, Zeugen und die rechtzeitige und vernünftige Einschaltung von Sachverständigen (speziell marine surveyors) steht immer wieder im Fokus. Nicht nur die Vermittlung der Kenntnis darüber, was Beweise überhaupt sind und wie diese zusammengesetzt werden ist wichtig (der juristische Begriff der "Urkunde" spielt hier immer eine cineastische Hauptrolle). Vielmehr geht es auch darum, Beweise zu sichern und sicherzustellen, dass Beweise vor Gericht verwertet werden können.

Es geht häufig um die Beseitigung ganz einfacher Fehlerquellen. 

Statt wichtige Unterlagen wie Quittungen oder Korrespondenz aus der Hand zu geben wird angeregt, diese zu kopieren und in mehrfacher Ausfertigung weiterhin zu behalten sowie selbst die Aushändigung von Unterlagen quittieren zu lassen. Zeugen sollen natürlich nach Möglichkeit namentlich festgehalten werden nebst aktueller Anschrift und Kontaktdaten. Damit sich hier kein Schlendrian einschleicht ist meine Empfehlung stets, dass eine Identitätskarte oder ein Reisepass beigelegt wird in Kopie. Sofern das nicht geht besteht dennoch die Möglichkeit, dass man direkt ein Bild mit dem Handy anfertigt.

Mündliche Zusagen sollte man immer kurz schriftlich abfassen und gegenzeichnen lassen.  Bilder, die man anfertigt, sollten sofort ausgedruckt und mit Poststempel in einem versiegelten Umschlag per registrierter Post an z.B. das Shore Office abgeschickt werden. Nur so lässt sich sicherstellen, dass die Fotos auch an dem angegebenen Tag entstanden sind - und nicht nachträglich. Das bringt dem Rechtsanwalt Freude und beruhigt die Nerven.

Sogenannte "schmutzige Tricks" müssen auch gelegentlich erwähnt werden. Wenn sich Fremde melden und nur "kurz auf das Schiff" wollen sollte immer eine Ausweiskontrolle erfolgen, wenn nicht der Zutritt direkt verweigert wird. Ansonsten werden diese Menschen durch ihre Anwesenheit an Bord - auch wenn sogar unbeabsichtigt - Zeugen.

"...but what is known is that many of the charges against this seaward matriarch will fall under the dominion of the little understood maritime law."

VG Stade: Ein US-Anwalt “entspricht” dem Rechtsanwalt, wird aber trotzdem in Niedersachsen nicht analog behandelt