European Shipping Council nimmt Stellung zur SOLAS-Verpflichtung, sämtliche Container zu wiegen

Die Prüfung des Gewichts der Ladung ist eine der Kardinalpflichten des Kapitäns; neue Vorschriften der Safety of Life at Sea (SOLAS) Convention über das zwingende Abwiegen von Containern durch den Befrachter sind nun Gegenstand von Debatten im European Shipping Council. Im Kern geht es darum, wann und wie zu ladende Container einem Wiegevorgang unterzogen werden müssen. Vorteilhaft für Verfrachter ist natürlich, dass so Sicherheit über das Gewicht der Container besteht; so kommt es zu weniger Streit über Abweichungen zwischen den Befrachterangaben in den Ladepapieren und dem tatsächlichen Gewicht. Die Sicherheit während der Fahrt ist auch besser gewährleistet, denn "übergewichtige" Container führen häufig zu "container collapse", d.h. zum Kollaps der Ladung auf dem Schiff.

So wird Alltag zum Albtraum.

So wird Alltag zum Albtraum.

Der European Shipping Council meinte zu dem neuen Bestandteil von SOLAS:

We believe that the need for weighing should be based on a proper risk analysis of the quality of the data transferred between shipping lines, shippers and customs authorities. Also, shippers would want to work with international organizations such as UNECE and industry stakeholders to identify the currently witnessed poor practices and developing best practices. Together, we can all promulgate these to those that handle and load containers.

The Loadstar vom 20.09.2013 enthält eine ähnliche Äußerung von Kapitän Richard Brough in seiner Eigenschaft als Technical Director des International Cargo Handling Coordination Association (ICHCA), zu den neuen Vorschriften hatte er folgende Anmerkung:

We made the point that weighing each container is the ‘gold standard’, but the reality is that it cannot be achieved in every part of the world, and as long as the contents of the container and the container itself are accurately weighed by calibrated equipment, which is the responsibility of port state control in the particular country to ensure, it is a good compromise. ICHCA’s job now is to help with developing solutions for the industry. Although the onus is certainly on shippers, ultimately the one place where all containers pass through is the port of loading and I expect ports will be offering weighing services.

Im September 2013 wurde ein Kompromiss dahingehend beschlossen, dass nicht jeder Container gewogen werden muss. Es würde vielmehr ausreichen, wenn en gros (d.h. nach Bruttogewicht) eine Schätzung vorgenommen wird. Diese Erleichterung dient der Beschleunigung der Ladevorgänge und kommt insbesondere den Häfen zugute, die keine entsprechende Wiegevorrichtung unterhalten (bzw. aus Kostengründen unterhalten können).

Es ist denkbar, dass Befrachter Häfen vorziehen werden, die bessere Wiegevorrichtungen anbieten. Denn die Erfüllung dieser Vorschriften ist eine Pflicht des Befrachters, die nun Häfen aussuchen werden, die ihnen die Arbeit erleichtern und einen verlässlichen und reibungslosen Umgang mit der Ladung ermöglichen können - oder ggf. bei unlauteren Befrachtern, dass speziell diese Häfen vermieden werden. Das ist Marktwirtschaft - oder eben nicht.

Strainstall ist eine der großen Anbieter sog. "real time weighing systems".

Strainstall ist eine der großen Anbieter sog. "real time weighing systems".

Der Zentralverband der Deutschen Seehafenbetriebe sagte am 30.05.2014 hierzu:

Für die Hafenwirtschaft ist entscheidend, dass die Wiegeverfahren die Abläufe auf den Terminals nicht behindern und die maritimen Logistikketten nicht stören. Nach dem angenommenen Entwurf ermittelt der Versender beziehungsweise Befrachter das Gewicht und teilt es sodann dem Terminal beziehungsweise der Reederei mit.

Die neuen Anforderungen treten voraussichtlich ab Juli 2016 in Kraft.

Freisprechung an der Staatlichen Seefahrtschule Cuxhaven - 2014 wird ein gutes Jahr für die maritime Wirtschaft!

The lush gardens of UCLA, the law library of the same esteemed institution and a (temporary) farewell to Los Angeles