Lustige juristische Neuigkeiten aus den Vereinigten Staaten

Lustige juristische Neuigkeiten aus den Vereinigten Staaten

Ich veröffentliche vierteljährlich eine Kolumne in der Zeitschrift für Deutsches und Amerikanisches Recht (ZDAR) und schließe jedes Mal mit lustigen juristischen Neuigkeiten ab. Hier ist der entsprechende - hoffentlich erheiternde - Auszug aus der Ausgabe 2/2014:

DISPATCHES

„I AM A BULLY“: Richter Gayle Williams-Byers verurteilte Edmond Aviv (62 Jahre alt) zur Tragung eines Schildes mit der Beschriftung: „I AM A BULLY! I pick on children that are disabled, and I am intolerant of those that are different from myself. My actions do not reflect an appreciation for the diverse South Euclid community that I live in.“ Zusätzlich dazu wurde die Auflage vereinbart, dass die Beschriftung groß genug sein müsse, damit das Schild aus einer Entfernung von 25 Fuß (ca. 8 m) lesbar sei. Das Verhalten  Avivs sei u.a. von rassistischen Motiven animiert gewesen. Aviv musste sich gegenüber den Opfern entschuldigen: „I want to express my sincere apology for acting irrationally toward your house and the safety of your children(...).“

If I die, find my will at Wal-Mart: Axess Law, die sich im Bereich der leicht bzw. fabrikmäßig reproduzierbaren rechtlichen Dokumente spezialisiert hat, möchte nun ebenfalls in der US-Kette Wal-Mart ihre Dienste anbieten. Testamente kosten z.B. US-$ 99, notarisierte Dokumente kosten US-$ 25. Geöffnet sind die „Läden“ an allen Tagen der Woche bis 20 Uhr. „A lot of people are intimidated by lawyers,“ sagte die Gründerin Attorney-at-Law Lena Koke. „This is a non-intimidating setting. We don’t fault other lawyers,“ führte sie aus, „if we were doing two notarizations a week, we’d have to charge US-$ 99 for those notarizations.“ Bußgeldbescheide, Familienrecht, Deliktsrecht und streitige Verfahren werden an andere Kanzleien „outgesourced“. Ob in diesem Umfeld eine fundierte – geschweige denn eine vertrauliche – Rechtsberatung stattfinden kann, ist aber durchaus zu bezweifeln.

I’ll see you at the movies: Supreme Court Justice Antonin Scalia liefert nach wie vor hochwissenschaftliche Beiträge zur Rechtsfindung im Rahmen seiner Entscheidungskompetenz. Diesmal in Plumhoff v. Rickard, am 4. März 2014 vom Supreme Court entschieden, sprach sich der oberste Richter dafür aus, dass Polizisten selbstverständlich auch einen Fahrer in einem fahrenden Auto erschießen dürften: „You think it is clearly established law, clearly established law, that you cannot shoot to kill a driver -- whose car is moving? Is that it? ... My goodness, they do it all the time. You watch the movies about bank robberies, you know, it happens all the time. Are these movies unrealistic?“

Know your place: In den USA wird der gesellschaftliche Stellenwert unterschiedlicher Rechtsfakultäten (Law Schools) maßgeblich von U.S. News and World Report bestimmt. Obwohl es noch an einem Urteil fehlt, beschäftigen sich die Supreme Court Justices zunehmend mit dem Thema. Im Jahre 2012 erklärte Justice Clarence Thomas, “I think the obsession [with rankings] is somewhat perverse. I never look at those rankings. I don’t even know where they are. I thought U.S. News and World Report was out of business.” Nun hat sich Justice Samuel Alito ebenfalls als Hasser von Rankings “geoutet”: “I really don’t like this categorization of schools as first, second, and third-tier. The U.S. News and World Report rankings of law schools are an abomination,” he added. “The legal profession and the country would be better off if they were eliminated. I gather that all these rankings are one of these things that keeps U.S. News and World Report in the black—unlike Newsweek."

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MV Normand Skarven in Cuxhaven